Psychische Störungen
Auswirkungen der ketogenen Therapie auf die Symptome und deren Sicherheit bei Erwachsenen mit Anorexia nervosa: eine Machbarkeitsstudie

Trotz Gewichtszunahme leiden viele Menschen mit Anorexia nervosa (AN) weiterhin unter anhaltenden Symptomen der Essstörung und haben hohe Rückfallquoten. Forscher untersuchten, ob eine ketogene Diättherapie (KT) bei Erwachsenen mit AN sicher angewendet werden kann und ob sie die Psychopathologie der Essstörung sowie damit verbundene psychische Symptome verbessern kann.
An der Studie nahmen 22 Frauen im Alter von 18 bis 45 Jahren mit Anorexia nervosa teil, die entweder ihr Gewicht normalisiert hatten oder leicht untergewichtig waren (BMI > 17.5 kg/m²). Die Teilnehmerinnen befolgten über 14 Wochen eine ketogene Diät, die etwa 70 % der Kalorien aus Fett, 20 % aus Protein und 10 % aus Kohlenhydraten lieferte. Ziel der Intervention war die Gewichtserhaltung und nicht die Gewichtsabnahme. Die Ernährungsketose wurde durch tägliche Blutmessungen des β-Hydroxybutyrat-Spiegels (BHB) während der ersten 14 Tage und anschließend wöchentlich überwacht. Der Zielbereich für den BHB-Spiegel lag zwischen 0.5 und 3.0 mmol/l. Die Teilnehmerinnen wurden wöchentlich hinsichtlich Körpergewicht, Ketonspiegel, Symptomen und unerwünschten Ereignissen untersucht.
Ergebnisse / Wichtigste Erkenntnisse
Machbarkeit und Kundenbindung:
- Achtzehn von 22 Teilnehmern (82%) schlossen die 14-wöchige Intervention ab.
Körpergewicht und Sicherheit:
- Der BMI blieb während der gesamten Studie stabil, kein Teilnehmer unterschritt den minimalen BMI-Schwellenwert von 17.5 kg/m².
- Die durchschnittliche BMI-Veränderung war statistisch nicht signifikant.
- Es traten keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse auf.
- Die gemeldeten Nebenwirkungen waren im Allgemeinen mild und vorübergehend; dazu zählten Übelkeit, Verstopfung und Dehydrierung.
Symptome von Essstörungen:
- Die Gesamtpunktzahl des Eating Disorder Examination Questionnaire (EDE-Q) verbesserte sich signifikant.
- Signifikante Verbesserungen wurden auch in den Subskalen Selbstbeherrschung, Essensbedenken, Figurbedenken und Gewichtsbedenken beobachtet (alle p < 0.001).
- Bei Studienabschluss wiesen 72 % der Teilnehmer EDE-Q-Werte im Normbereich auf.
Depression:
- Die Werte des Beck-Depressions-Inventars sanken im Verlauf der Behandlung signifikant (p < 0.001).
- Die Depressionswerte normalisierten sich bei allen Studienteilnehmern, die die Studie abschlossen.
Psychologische und verhaltensbezogene Folgen:
- Deutliche Verbesserungen wurden in Bezug auf Körperunzufriedenheit, geringes Selbstwertgefühl, persönliche Entfremdung, Angstzustände, klinische Beeinträchtigung und Vermeidung von Schäden beobachtet.
- Das Vertrauen in Hunger- und Sättigungssignale hat deutlich zugenommen.
- Die Belastung während der Mahlzeiten hat deutlich abgenommen.
Nachuntersuchung nach drei Monaten:
- Neununddreißig Prozent der Teilnehmer setzten die ketogene Therapie nach Abschluss der Studie fort.
- Bei 28 % der Patienten, die die Nierentransplantation fortsetzten, verschlechterten sich die Symptome, verglichen mit 64 % der Patienten, die die Transplantation abbrachen.
Fazit
Diese Machbarkeitsstudie legt nahe, dass eine ketogene Diättherapie bei Erwachsenen mit Anorexia nervosa, die ihr Gewicht normalisiert haben oder leicht untergewichtig sind, sicher angewendet werden kann, ohne einen klinisch relevanten Gewichtsverlust zu verursachen. Die Teilnehmerinnen berichteten über Verbesserungen der Essstörungssymptome, der Depression und verschiedener Indikatoren des psychischen Wohlbefindens. Da die Studie jedoch klein war, ausschließlich Frauen umfasste und keine Kontrollgruppe hatte, sind die Ergebnisse als vorläufig zu betrachten. Die Autoren schlussfolgerten, dass größere randomisierte kontrollierte Studien erforderlich sind, um die Wirksamkeit der ketogenen Therapie zu bestimmen und ihre zugrunde liegenden Mechanismen zu klären.