Gene laden die Waffe, aber die Ernährung drückt den Abzug: Neue Überlegungen zur Ernährung bei polyzystischer Nierenerkrankung

Veröffentlicht: 23. Juni 2025

Jahrzehntelang wurde die autosomal-dominante polyzystische Nierenerkrankung (ADPKD) als unausweichliches genetisches Schicksal angesehen. Doch neue Erkenntnisse zeichnen ein deutlich hoffnungsvolleres Bild: Zwar sind die Gene möglicherweise veränderlich, der Krankheitsverlauf jedoch nicht. Ernährung und Lebensstil erweisen sich mittlerweile als wichtige Einflussfaktoren auf die Nierengesundheit – selbst bei Menschen mit genetischen Prädispositionen wie ADPKD.

Das Problem mit Kohlenhydraten

Einer der wichtigsten Faktoren, die zu Nierenbelastungen beitragen, ist die übermäßige Aufnahme von Kohlenhydraten. Eine Ernährung mit hohem glykämischen Index, die reich an Zucker und Stärke ist, fördert Hyperglykämie, Hyperinsulinämie und Insulinresistenz. Diese Stoffwechselstörungen führen zu Entzündungen, oxidativem Stress und Bluthochdruck – all dies kann das Zystenwachstum bei ADPKD beschleunigen. Personen mit Typ-2-Diabetes und ADPKD erleben einen schwereren Krankheitsverlauf.

Eine überzeugende Alternative ist ketogene metabolische Therapie (KMT)Dieser Ernährungsansatz senkt die Kohlenhydrataufnahme und fördert die Ketose – einen Stoffwechselzustand, in dem der Körper Fett verbrennt und Ketone wie Beta-Hydroxybutyrat (BHB) produziert. Ketone sind mehr als nur Energie; sie reduzieren Entzündungen, verbessern die Mitochondrienfunktion und haben sowohl in Tiermodellen als auch in Humanstudien zu PKD eine nierenschützende Wirkung gezeigt.

Kristallbildende Übeltäter: Oxalat, Phosphat, Harnsäure

Moderne Ernährung enthält außerdem viele Verbindungen, die Nierenmikrokristalle, wie Oxalat (aus vielen pflanzlichen Lebensmitteln, darunter Spinat und Nüsse), Phosphat (aus Lebensmittelzusatzstoffen) und Harnsäure (aus hohem Fruktose- und Alkoholkonsum). Diese Kristalle können die Nierentubuli verstopfen, Entzündungen auslösen und bei genetisch veranlagten Personen die Zystenbildung auslösen oder verschlimmern.

Menschen mit ADPKD sind aufgrund häufiger Anomalien wie einem niedrigen pH-Wert des Urins und einem niedrigen Citratspiegel besonders anfällig für Kristallbildungsschäden. Beides erhöht das Risiko der Kristallbildung. Der Verzicht auf oxalat- und phosphatreiche Lebensmittel, die Minimierung von Fruktose und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sind praktische Maßnahmen, die dazu beitragen können, dieses Risiko zu verringern.

Vergessen Sie nicht Natrium und Kalium

Die moderne Ernährung liefert zudem deutlich mehr Natrium – und deutlich weniger Kalium – als unser Körper verarbeiten kann. Die Ernährung unserer Vorfahren hatte ein Natrium-Kalium-Verhältnis von etwa 1:10. Heute ist dieses Verhältnis umgekehrt: Verarbeitete Lebensmittel enthalten deutlich zu viel Natrium und zu wenig Kalium. Dieses Ungleichgewicht trägt zu Bluthochdruck und einer Verschlechterung der Nierenfunktion bei.

Studien an Tieren und Menschen mit ADPKD zeigen, dass eine höhere Natriumaufnahme mit einem schnelleren Krankheitsverlauf einhergeht, während Kalium eine schützende Wirkung zu haben scheint – zumindest vor dem Auftreten einer fortgeschrittenen Nierenerkrankung. Ein Ausgleich dieses Verhältnisses durch den Verzehr von weniger verarbeiteten Lebensmitteln und den Verzehr kaliumreicher Vollwertkost (wo möglich) kann dazu beitragen, die Nierenbelastung zu reduzieren.

Wahrscheinlich kein Auslöser: Protein

Ein seit langem bestehender Mythos in der Nierenbehandlung ist, dass Eiweiß schadet den Nieren. Diese Idee beruht größtenteils auf Tierstudien und Fehlinterpretationen früherer Forschungen – nicht auf soliden klinischen Beweisen. Tatsächlich sind westliche Diäten oft niedrig an Proteinen im Vergleich zur Ernährung unserer Vorfahren, bei der Proteine ​​20–35 % der Kalorien ausmachten.

Umfangreiche Untersuchungen und Metaanalysen zeigen keinen überzeugenden Zusammenhang zwischen normaler Proteinzufuhr und Nierenschäden. Bei Menschen mit CKD, einschließlich ADPKD, verschlechtert eine höhere Proteinzufuhr den Krankheitsverlauf nicht. Einige Studien deuten sogar auf einen schützenden Effekt hin. Der Schlüssel liegt in der artgerechten Proteinzufuhr – nicht in der extremen, unausgewogenen Ernährung der Industriegesellschaften.

Für Personen mit ADPKD erscheint es sicher und angemessen, moderate Mengen an Proteinen ohne übermäßige Einschränkung in die Ernährung aufzunehmen – insbesondere als Teil einer kohlenhydratarmen oder ketogenen Ernährung, bei der Proteine ​​den Muskelerhalt, das Sättigungsgefühl und die allgemeine Gesundheit unterstützen.

Ein neuer Weg nach vorne

Insgesamt stützen diese Erkenntnisse einen neuen Rahmen: ADPKD ist genetisch bedingt, aber sein Fortschreiten wird durch die Umwelt beeinflusst – insbesondere durch die ErnährungEine moderne, stark verarbeitete Ernährung mit viel Zucker, raffiniertem Getreide, Zusatzstoffen und kristallbildenden Verbindungen kann den Krankheitsverlauf verschlechtern. Umgekehrt kann eine Ernährung, die diese Auslöser minimiert und die Stoffwechselgesundheit unterstützt – wie die ketogene Stoffwechseltherapie – den Krankheitsverlauf verlangsamen oder sogar teilweise umkehren.

Jahrzehntelang haben wir Patienten mit PKD erzählt, dass bis zur Dialyse „nichts zu machen“ sei. Es ist Zeit, diese Botschaft zu ändern. Ernährungsstrategien sind zwar keine Heilung, aber wirksame Instrumente. Und sie geben den Patienten wieder die Kontrolle über ihre Krankheit.


Dieser Blog dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei Fragen zu gesundheitlichen Problemen oder Bedenken hinsichtlich Ihres Wohlbefindens wenden Sie sich bitte immer an Ihren Arzt oder eine andere qualifizierte medizinische Fachkraft.

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